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Jüngling und Jüngferlein

Auf der Kulmbacher Plassenburg erklangen Orffs "Carmina Burana" schon mehrmals - noch nie aber in so beeindruckender Besetzung: Über 100 sangesfreudige Bürger sowie der Schulchor und das Orchester des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums wirken mit.

Kulmbach - Ein Traum ist am Dienstagabend wahr geworden: Über 100 sangesfreudige Bürger aus dem Kulmbacher Raum stehen dicht gedrängt auf der Bühne im Schönen Hof der Plassenburg. Zu ihren Füßen ein Orchester inklusive Schlagwerk, besetzt mit lauter jungen Leuten. Es ist ein außergewöhnliches Konzertprojekt des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums - und es gelingt. Der gewaltige Chor aus Laiensängern bringt zusammen mit den Schulchören und dem Orchester der Schule die "Carmina Burana" in der Originalfassung zu Gehör. Mit dieser Aufführung werden die Festlichkeiten zum Doppeljubiläum "975 Jahre Stadt Kulmbach - 875 Jahre Plassenburg" angestimmt.

Stilecht ertönt die Burgfanfare von den Türmen. Schwalben ziehen kreischend ihre Kreise über dem Karree. An diesem traumhaften Sommerabend haben sich 1500 Menschen im Schönen Hof eingefunden - die einen warten auf dem Podest auf ihren Einsatz, die anderen sitzen auf den Stühlen drumherum und lauschen gespannt. Schon mehrmals ist das bekannte Werk von Carl Orff an diesem geschichtsträchtigen Ort aufgeführt worden, aber noch niemals in einer so großen, beeindruckenden Besetzung.

Mutiges Unterfangen
Es gibt nur wenige Schulen, die die "Carmina Burana" in der Originalfassung aufführen können. Die meisten tun dies in der sparsameren Besetzung mit zwei Klavieren, Pauken und Schlagwerk von 1956. Doch die Projektinitiatoren Barbara und Hubertus Baumann haben sich die originale Orchesterfassung aus dem Jahre 1937 zum Ziel gesetzt. Fast alle Positionen konnten sie mit Schülern des Gymnasiums besetzen. Die restlichen Instrumente übernehmen Lehrer und Musiker aus dem Schulumfeld. Nach zahlreichen zeitaufwendigen Proben wird nun das populäre Chorwerk ganz im Sinne des Komponisten dargeboten, zu dem Dirigentin Barbara Baumann langjährige persönliche Kontakte pflegte.

Als der wuchtige Eröffnungschor in "Fortuna imperatrix mundi" das wankelmütige Schicksal besingt, ist bereits klar, dass das mutige Unterfangen gelingen wird. Der Sängerkreis, der aus Angehörigen der verschiedensten Laienchöre besteht, zeigt sich als harmonische Einheit. Auch das Zusammenspiel des Orchesters klappt hervorragend.

Für Glanzpunkte sorgen die einzelnen Solisten. Gefällig bietet Bariton Nikolas Peter das Lied von der milden Sonne, "Omnia sol temperat", dar. Tenor Eddie Hürdler schmachtet als armer gebratener Schwan. Bei den Liebesliedern im Abschnitt "Cours d'amour" hat die junge Anna Schofer ihre glänzenden Soloeinsätze. Mit ihrem strahlend-klaren Sopran singt sie herrlich leicht von Jüngling und Jüngferlein, die sich finden, auch vom Mägdelein im roten Hemd: "Stetit puella". Chorleiter Hubertus Baumann hat als Bariton mehrere Soloparts übernommen.

Rasch sind die zwei angenehmen Konzertstunden vorübergezogen. Als der gewaltige Applaus aufbrandet, erhellt die Abendsonne noch immer den Säulengang der Plassenburg. Und auch die Schwalben ziehen weiter ihre Runden.

Andrea Herdegen, Frankenpost vom 22.07.2010