Warum Latein als 2. Fremdsprache?
 
Es gibt gute Gründe Latein zu lernen:
  • Latein als Zulassungsvoraussetzung für zahlreiche Studienfächer (z.B. Deutsch, Geschichte, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch; Pharmazie, Medizin, Philosophie, Theologie, Rechtswissenschaften). Weitaus einfacher ist es, das Latinum nach 5 Jahren Latein am Gymnasium zu erwerben als es an der Universität nachholen zu müssen !
  • „Mutter Latein und ihre Töchter“ – Latein als „Muttersprache“ der romanischen Sprachen. Das Vokabular der Sprachen Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch leitet sich zum Großteil aus dem Lateinischen ab. Lateinische Sprachkenntnisse bieten somit eine gute Voraussetzung zum leichteren Erwerb dieser romanischen Sprachen. Beispiel: „Laut“ (vox) = (frz.) la voix, (ital.) la voce, (span.) la voz
  • Latein als Grundlage für das Verstehen von Lehn- und Fremdwörtern, wissenschaftlichen und technischen Begriffen sowie von englischen Wörtern. Ca. 60 Prozent aller englischen Wörter haben einen lateinischen Ursprung !
  • Unterstützung des muttersprachlichen Ausdrucksvermögens; Latein als Unterstützung für den Deutschunterricht. Nachgewiesenermaßen erzielen Klassen mit mehrjährigem Lateinunterricht herausragende Ergebnisse bei den zentralen Deutschtests, denn durch Latein erhalten die Schüler einen
  • tiefen Einblick in das Funktionieren von Sprache durch eine logisch aufgebaute Grammatik (Latein als „Schule des Denkens“: Förderung von Klarheit und Disziplin des Denkens; logisches und analytisches Denken als Vorbereitung für Studium und Beruf). Zur Förderung dieser Fähigkeiten werden einerseits moderne Lehrmethoden, beispielsweise in Form von Computerprogrammen, eingesetzt. Andererseits werden jedoch durch Latein in ganz besonderem Maße solche Fähigkeiten gefördert, die in unserer Zeit der Reizüberflutung immer mehr verloren gehen (genaues Hinschauen, „mikroskopisches Lesen“). Da Latein ein sequentielles Fach ist, in dem keine voneinander isolierten, sondern aufeinander aufbauende Lerninhalte vermittelt werden, bilden ständige Wiederholung und eine disziplinierte Arbeitshaltung unabdingbare Voraussetzungen. Dennoch lässt sich die häufig vorgebrachte Behauptung, Latein wäre ein überdurchschnittlich schwieriges und arbeitsintensives Fach, kaum aufrechterhalten. So umfasst der für die Spracherwerbsphase relevante Wortschatz nur ca. 1.300 lateinische Wörter (statt, wie noch vor einigen Jahren, 1.800). Dieser ist im Auspex-Wortschatzbuch bequem nachzulesen; seine Beherrschung gehört neben den im Unterricht ständig geübten Grammatikkonstruktionen zu den Grundkompetenzen. Seltenere grammatische Konstruktionen, wie z.B. das Supin, sind entweder aus dem Lehrplan genommen oder aber, wie z.B. die indirekte Rede, weitgehend in die Lektürephase verlagert worden.
  • Förderung von Geschichtsbewusstsein und des Bewusstseins von kultureller Kontinuität gerade unter europäischen Vorzeichen. Neben klassischen Texten aus der römischen Antike werden in der Lektürephase zunehmend Ausschnitte aus kulturell bedeutsamen Werken des Mittelalters, des Humanismus und der Neuzeit behandelt.
  • Beitrag zum Erwerb eines breiten Allgemeinwissens durch ein umfassendes inhaltliches Spektrum der behandelten Texte
  • Beitrag zur Persönlichkeitsbildung. Da der Lateinunterricht die Inhalte bedeutender Texte der europäischen Geistesgeschichte vermittelt, werden immer wieder Fragen von überzeitlicher Relevanz aufgeworfen, die zur Diskussion anregen, z.B. über das Verhältnis von Individuum und Staat, nach dem Sinn des Lebens und dem besten Weg der Lebensführung oder ob es einen „gerechten Krieg“ geben könne.
 
Aufbau des Lateinunterrichts über die Jahrgangsstufen hinweg bis zum Erwerb des Latinums
 
6. – 8. Klasse: Spracherwerbsphase
Obwohl in diesen Jahrgangsstufen der Spracherwerb im Vordergrund steht, wird ebenso Kulturwissen, welches in einem Grundwissenskatalog festgelegt ist, vermittelt; nachzulesen ist dieser Katalog in den gelb unterlegten Passagen der A-Stücke in den Übungsbüchern.
 
 
8. Klasse: evtl. Übergangslektüre
  • Fabelhaftes – Fiktionales – Spannendes (z.B. Fabeln des Phaedrus; Prosatexte von der Antike bis zur Neuzeit) ODER
  • Alles, was Recht ist (ausgewählte Fälle aus dem römischen Recht, Rechtsregeln, Sprichwörter) ODER
  • Das Buch der Bücher (Vulgata in Auszügen, z.B. Joseph und seine Brüder)
 9. Klasse:
  • Macht und Politik (Biographisches, z.B. Nepos, Caesar)
  • Liebe, Laster, Leidenschaft (Martial und/oder Catull und/oder Ovid, Ars amatoria)
  • Rom und Europa (Texte vom Mittelalter bis zur Neuzeit, z.B. Inschriften oder lokalhistorische Texte)
 
10. Klasse:
  • Denken – ein Schlüssel zur Welt (z.B. Texte über bedeutende Philosophen; Texte zum Wandel des antiken Weltbilds in der frühen Neuzeit [Kopernikus])
  • Mythos – Verwandlung und Spiel (Auszüge aus Ovids „Metamorphosen“)
  • Rede und Kommunikation in der Antike (z.B. Briefe oder Reden von Cicero und/oder Plinius; Briefe zu Themen wie Sklaverei oder Stellung der Frau in der Antike