„Ostsee-Segeltörn“ des Deutschkurses 1d5/ 2012/2013 mit der Banjaard

LOG1: Kiel (54°22‘22‘‘ N / 10°8‘31‘‘ E) -Rodbyhavn

9.00 Uhr: Ankunft am Tiessenkai; Kiel-Holtenau; Liegeplatz des Segelschiffs „Banjaard“

Wir treffen zum ersten Mal auf unsere Crew: Kapitän Aard und Schiffsmädchen Stine.

Während wir das Schiff das erste Mal begutachten und unsere Seesäcke an Bord bringen, geht unsere Küchenchefin Inka mit Unterstützung der Eltern der Matrosin Lucia und Frau Kohlmann Proviant für die Woche einkaufen.

10.00 Uhr: Beladen des Schiffs – Bunkern der Vorräte und Beziehen der Kojen

Der Proviant wird mit Hilfe einer Kette aus allen Matrosen auf das Schiff gebracht und in der Kombüse verstaut

12.00 Uhr: Ablegen, Wind 0

Punkt 12 Uhr legen wir mit unserem „Zuhause für die nächste Woche“ in Kiel ab und machen uns auf den Weg Richtung Rodbyhavn in Dänemark. Zum Eingewöhnen erleben wir eine spiegelglatte Ostsee, die eine weite Sicht erlaubt. Die Zeit wird genutzt, um das Bedienen der fünf Gaffelsegel zu lernen bzw. um sämtliche Schiffe der Umgebung mittels Fernglas zu bestimmen.

17.00 Uhr: Erstes Essen an Bord

Nach unseren ersten Stunden an Bord und einigen Einweisungen seitens des Kapitäns beginnt die Küchencrew auf engstem Raum das Abendessen zuzubereiten. Zum „Üben“ gibt es zunächst ein einfaches Gericht: Fussili mit Thunfisch oder Tomatensauce und Salate.

19.00 Uhr: fest in Rodbyhavn

Pünktlich zum Sonnenuntergang legen wir in Rodby an. Den ersten Abend genießt die Crew am Meer und lässt ihn bis spät in die Nacht ausklingen.

LOG2: Rodby (54°39‘34‘‘ N / 11°21‘18‘‘ E)- Wismar

9.00 Uhr: Aufbruch

Bevor die Banjaard ablegen kann, muss erst noch der Tank gefüllt werden, da aufgrund der Wind-Flaute am Vortag so viel Benzin benötigt wurde. Die Arbeitsteilung funktioniert top und alle Crew-Mitglieder machen das Beste aus ihren Aufgaben:

11.00 Uhr: Ablegen; 11.05 Uhr: Segel gesetzt

12.00 Uhr: Auf offener See; starker östlicher Wind 6 zunehmend 7; Kurs Süd; Halbwindkurs

Die Matrosencrew hat mit Windstärke von 6 in Böen 7 zu kämpfen. Insbesondere der starke Wind führt zur Entscheidung des Kapitäns, die geplante Dänemark-Route zu verlassen und stattdessen Kurs Süd, zurück nach Deutschland, aufzunehmen. Der unerwartete Seegang hat doch einigen unserer „Neu-Matrosen“ recht gefordert. Meterhohe Wellen klatschen gegen die Bootswände und über das Bug. Im selben Augenblick werden einige Matrosen, welche gerade fasziniert im vorderen Decksbereich die hohen Wellen beobachten, unfreiwillig geduscht. Nachdem sich der Wind etwas gelegt hat und einige der Matrosen die Fische gefüttert haben, kann die restliche Fahrt in vollsten Zügen genossen werden.

 

20.00 Uhr: Anlegen in Wismar

Aufgrund des ungeplanten starken Seegangs verzögert sich unsere Ankunft in Wismar um einige Stunden. Da der Küchencrew in der Kombüse alle Töpfe um die Ohren geflogen sind, müssen die hungrigen Matrosen heute Abend an Land essen. Nachdem die Schiffscrew sich also gestärkt hat, kann nun auch Crew-Mitglied Florian endlich in den Kreis der Matrosen aufgenommen werden. Seine Volljährigkeit wird mit Apfelschorle, Mineralwasser und diversen Säften am Wismarer Hafen begossen.

0.30 Uhr: Bettruhe

Aufgrund des anstrengenden, achtstündigen Seetags fallen die Matrosinnen und Matrosen todmüde in ihre Kojen.

LOG3: Wismar(53°53’17,57‘‘ N / 11°27’43,26‘‘ E)- Kühlungsborn

8.30 Uhr: Aufstehen

Während die Küchencrew mit diversen Geburtstagsbesorgungen und Lebensmitteleinkäufen beschäftigt ist, überträgt sie einem sehr hungrigen Matrosen, der das Frühstück kaum noch erwarten kann, die Aufgabe, die Brötchen zu besorgen. Dies endet jedoch in einer Flut von Backwaren, was der Küchenchefin Inka sehr missfällt, da sie ja alles genauestens kalkuliert hat.

11.00 Uhr: Ablegen; Wind E 2-3, Ankerstopp vor der Insel Poel zum Baden, entlang der Küste gekreuzt

Im Anschluss an eine kurze Geburtstagsfeier zu Ehren des Matrosen Florian und der Geschenkübergabe legen wir verspätet Richtung Kühlungsborn ab. Nach einer kurzen Entspannungspause aller Matrosen am sonnigen Deck einschließlich einer Erfrischung in der Ostsee, fängt die Küchencrew an, das Mittagessen vorzubereiten. Der Rest der Mannschaft greift dem Schiffsmädchen Stine kräftig beim Segel setzen unter die Arme. Danach haben sich natürlich alle eine Stärkung verdient und werden mit vielen Vitaminen versorgt, um Skorbut und Beriberi vorzubeugen.

16.00 Uhr: Entspannung

Weil die Crew vom vielen Helfen völlig ausgepowert ist, legen sie sich an Deck und werden von dem sanften Schaukeln des Schiffs in einen ruhigen Schlaf gewiegt. Der begehrteste Platz an Deck war hier das Netz, welches sich unter dem Klüverbaum befand:

17.00 Uhr: Ankunft in Kühlungsborn

Die starken Matrosen der Crew bereiten professionell Grill und Steaks vor, wobei jedoch einige Komplikationen auftreten. Währenddessen ist der Rest der Mannschaft mit dem Vorbereiten von Salaten und Grillsaucen beschäftigt. Zeitgleich kann unsere Matrosenanführerin Birgit Kohlmann nicht von einem halbstündigen Hineinrennen in die Ostseewellen abgebracht werden.

19.00 Uhr: Abendplanung

Nach der dennoch erfolgreichen Versorgung der Massen zieht die Crew mit reichlich Proviant los, um den Tag am Strand ausklingen zu lassen. Hier hat die die Mannschaft ihre kindliche Seite wieder erwachen lassen und hat den Spielplatz geentert. Doch das Toben hat ein plötzliches Ende, da ein Regenschauer die spielende Crew überrascht und zurück zum Schiff treibt. Dort sitzt sie lange zusammen und vergnügt sich mit Gesellschaftsspielen.

Dennoch, auch der schlimmste Regenschauer hat mal ein Ende und um sich weiterhin von unerwarteten monsunartigen Regenergüssen zu schützen, beschließt die Crew fast einstimmig einen „Antiregentanz“ mitten auf dem Hafenplatz aufzuführen. Hierbei wurde sie natürlich auch tatkräftig von der Matrosenanführerin Birgit Kohlmann unterstützt. Man hört die Matrosen noch bis tief in die Nacht singen: „… Oooh ich hab‘ solche Sehnsucht,…. Ich verliere den Verstand. Ich will wieder an die Ostsee… Ich will zurück nach Kühlungsborn….“.

LOG4: Kühlungsborn (54°8’57,11‘‘ N / 11°44’37,26‘‘ E) - Warnemünde  

7.30 Uhr: Frühstück

Die Küchencrew steigt gerade aus den Federn um die Essensvorräte aufzufüllen, als sie mit Schrecken erfährt, dass der hungrige Matrose abermals losgezogen ist, den um noch vorhandenen Brötchenvorrat zu vergrößern. Sie zögern nicht lange und stürmen, teilweise noch im Schlafanzug, den Bäcker des Yachthafens und können den Matrosen gerade noch aufhalten, sodass er ohne Beute wieder auf's Schiff gehen muss.

Nachdem das Frühstück entspannt über die Bühne gegangen ist, zieht die Küchencrew auf der Suche nach frischem Fisch los - man ist schließlich nicht jeden Tag in einem Yachthafen mit optimaler Fischkutteranbindung. Mit 40 Schollen zum Schnäppchen-Preis im Schlepptau geht es, nach kleineren Attacken der teilweise noch lebenden Fische auf die Tütenträgerinnen, zum Liegeplatz der Banjaard zurück.

10.00 Uhr: Putzkolonneneinsatz

Auch ein Schiff hat es ab und zu nötig, intensiv gereinigt zu werden. Aufgrund dessen erbarmen sich eine Handvoll tapferer Matrosen, dem Schiffsmädchen Stine mit Besen, Schrubber und Schwamm zur Hand zu gehen. Der Rest der Crew vergnügt sich derzeit am Strand mit Ballspielen und nutzt das 1A-Wetter zum Baden im Meer, denn das Schiff und die Kajüten durften schließlich nicht betreten werden. Nachdem die Banjaard wieder auf Vordermann gebracht worden ist und die Besatzung an Bord gehen konnte, legen wir ab.

11.30 Uhr: Auf offener See; Wind E 2-3; gekreuzt

Nach einer kleinen Stärkung hält sich die gesamte Crew an Deck auf, das Wetter zeigt sich von seiner sonnigsten Seite. Es kam der Wunsch auf, im Meer baden zu gehen, jedoch erwies sich das Ankern an einem Strand als äußerst schwierig. Deswegen wird einfach mitten in der Ostsee geankert, sodass sich die Besatzung im kühlen Nass erfrischen kann. Natürlich ist „einfaches Baden“ viel zu langweilig für die erfahrenen Seefahrer, deshalb wurde dieses Erlebnis aufgepeppt in dem die Besatzung der Reihe nach vom 4 Meter hohen Schiffsbug in die Tiefe springt. Natürlich haben wir spektakuläre Choreographen unter uns, die den Rest der Mannschaft zum Staunen bringen. Festgehalten wurde natürlich auch jeder einzelne Sprung von unserer Top-Fotografin und die Matrosenanführerin Frau Kohlmann muss jedoch regelmäßig beruhigt werden, da sie sehr besorgt um das leibliche Wohl ihrer Mannschaft ist.

Das war das absolute Highlight des Tages. Nach unserem Zwischenstopp setzen wir die Fahrt nach Warnemünde fort. Hierbei wird die Besatzung unter anderem Zeuge einer Windsurf- Regatta.

18.00 Uhr: Ankunft in Warnemünde

Nach dem Passieren der berühmten Warnemünder Molen und erfolgreichem Anlegen, steht die Küchencrew vor der anfangs scheinbar unmöglichen Aufgabe, die 40 Schollen zuzubereiten. [Anm. d. R.: Die erforderlichen Küchengeräte sind in der sterneträchtigen Schiffskombüse nicht vorhanden.] Zwei der Matrosinnen machten sich an die dankbare Aufgabe des Ausnehmens und Waschens der Fische, während die anderen beiden Salat und Pilz-Risotto zubereiten.

Letztendlich gelingt es doch die Fische im Ofen zuzubereiten, wenn auch der Rest der Mannschaft unter der extrem genervten und gestressten Küchencrew zu leiden hatte.

20.00 Uhr: Abend

Die Mannschaft macht sich in das Stadtinnere Warnemündes auf,, gestärkt durch das vorangegangene Festmahl [Gedünstete Ostseescholle an Pilz-Risotto mit Kreationen von Salaten], um die Umgebung zu erkunden. Je später der Abend, desto mehr lockt sie das Meer und sie machen sich auf zum Strand, um dem Ruf zu folgen.

Nachdem auch unsere Matrosenanführerin Frau Kohlmann hinzugestoßen ist, Herr Striegl verweilt lieber zusammen mit Kapitän Aard auf dem Schiff, verbringt die Crew einen schönen und unterhaltsamen Abend am Strand mit Blick auf das Meer und dem Leuchtturm.

23.30 Uhr: Rückkehr zum Schiff

Nachdem die Crew ihren letzten Abend am Strand ausklingen lassen hat, macht sich sie auf den Heimweg und tanzt mithilfe musikalischer Untermalung und unter dem Beifall der vorbeigehenden Passanten zurück zum Schiff.

LOG5: Warnemünde (54°10‘31‘‘ N / 12°5‘18‘‘ E)- Rostock

8.30 Uhr: Erwachen

Der letzte Tag auf der Banjaard ist angebrochen, doch die Besatzung hat wenig Zeit zu trauern, denn sie hat alle Hände voll zu tun. Nach dem Frühstück muss zunächst der Schiffsinnenraum und die Kombüse gesäubert werden. Dabei stoßen die Matrosen auch viele übrig gebliebene Lebensmittel die natürlich nicht alle weggeworfen werden können, das verstieße ja gegen die Seemannsehre. Somit wird eine kleine interne Auktion veranstaltet, die immer noch übrig gebliebenen Reste wird die Besatzung auf dem naheliegenden Campingplatz los.

10.00 Uhr: Ablegen

Wie immer verwöhnt das Wetter die Besatzung mit strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von circa 30 Grad Celsius. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass erneut der Wunsch nach einem kurzen Stopp zum Baden aufkommt. Der Kapitän Aard stellt sich als sehr kompromissbereit heraus uns ankert einige hundert Meter vor dem Strand von Warnemünde. Auch hier wird abermals vom Schiffsbug gesprungen, aber die Matrosencrew wünscht sich mehr Adrenalin. Erneut erweist sich Aard als sehr entgegenkommend und ermöglicht es der Crew, sich mit einem Tau, welches vom vorderen Mast herunter hängt, in die Ostsee zu schwingen. Die neue Tarzan-Methode sorgt sofort für viel Aufregung und die Matrosen können gar nicht genug davon bekommen. Aus Rücksicht auf unserer Matrosenanführerin ziehen wir schließlich trotzdem einen Schlussstrich und beenden das Vergnügen. Nun kann die Fahrt nach Rostock ohne weitere Zwischenstopps fortgesetzt werden.

Auf der Rückfahrt entlang der Warnow sammelt die Crew viele Eindrücke und wird außerdem von den vorbeifahrenden Segelschiffen, Transportschiffen und großen Passagierschiffen bewundert und beklatscht. Die freundliche Mannschaft der Banjaard grüßt selbstverständlich immer mit viel Winken und Rufen zurück.

15.00 Uhr: Ankunft in Rostock (54°5‘0‘‘ N / 12°8‘0‘‘ E)

Auch die schönste Fahrt hat mal ein Ende und die Matrosencrew muss sich mit dem Gedanken anfreunden, dass sie ihr Schiff in Kürze verlassen muss. Nichts desto Trotz erhält jeder Matrose noch einen Seemeilennachweis über die 157 Seemeilen, die zurückgelegt worden sind, und wird herzlich von Kapitän Aard und Schiffsmädchen Stine verabschiedet. Danach heißt es wieder: Matrosenkette bilden und die Seesäcke an Land hieven. Ein letzter Blick auf die Banjaard. Danach geht es Richtung Bahnhof Rostock und von dort aus über Berlin zurück in die oberfränkische Heimat Kulmbach.

Zusammenfassend lässt sich Folgendes sagen:

Eine Fahrt wie diese hat noch keiner unserer 15 Matrosen zuvor erlebt. Ein großer Dank gilt daher den beiden Lehrkräften Birgit Kohlmann und Bernhard Striegl, ohne die ein Erlebnis dieser Art undenkbar gewesen wäre. Aufgrund ihrer Lockerheit und Begeisterung für das Projekt haben sie uns allen ein paar unvergessliche Tage beschert und natürlich stets selbst fest mit zugepackt, wenn es mal wieder hieß: „Segel setzen“.

Auch die Zusammenarbeit von Schülern und Lehrern stellte keine große Herausforderung dar:

Insbesondere Frau Kohlmann hat hierzu enorm viel beigetragen: Sie begann schon Monate vorher mit der Organisation, charterte kurzerhand den Toppsegelschoner, führte zahlreiche Telefonate und schaffte es, uns, ein zunächst eher skeptischer Deutschkurs, für Ihr Vorhaben zu begeistern. Sie suchte die passenden Züge und schreckte auch vor einem nächtlichen Aufenthalt von 0 bis 4 Uhr morgens am Hauptbahnhof Berlin nicht zurück. Sie hielt Nachtwache während wir schlafen durften. Natürlich spielt hier ihre persönliche Begeisterung für das Segeln eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Sie ist beispielsweise im Besitz des Sportküstenschifferscheins, und unser Kurs sagt somit "DANKE"! Danke für diese wundervollen fünf Tage, in denen wir viel Neues dazu gelernt haben. Danke für diese fünf Tage, die unseren Zusammenhalt enorm gestärkt haben. Danke liebe Frau Kohlmann und lieber Herr Striegl für diese spannende, ausgelassene und unvergessliche Zeit!

Ihr Deutschkurs