Als OStD Hans Bauer am 1. Juli 1948 seinen Dienst als Schulleiter begann, trat er bald mit der Initiative "Freiwilliges Schulgeld' und "Fördererverband" an die Öffentlichkeit. Der Appell zur Selbsthilfe wurde von der überwältigenden Mehrzahl der Eltern so bereitwillig aufgegriffen, dass schon ein Jahr darauf, unter tatkräftiger Mithilfe von Männern der 1. Stunde wie Karl Dachert, Dr. Wilhelm Schalkhäuser, die Gründung eines Fördererverbandes erfolgen konnte. Dies geschah zu einer Zeit, in der sehr viele Menschen nicht wussten, wie sie selbst die eigenen materiellen Bedürfnisse ihrer Familien einigermaßen zu befriedigen in der Lage waren.Aber das war eben das Erstaunliche des 1. Nachkriegsjahrzehnts, dass nicht mit Lautstärke und Penetranz die Forderung erhoben wurde, dass die Ausstattung eines Gymnasiums einfach Aufgabe des Staates oder eines Sachaufwandsträgers oder "der Gesellschaft" sei und man schließlich das Recht habe, von einer dafür zuständigen Institution die Bereitstellung von Büchern und Heften, sowie die kostenlose Beförderung zur Schule zu verlangen.
Vielmehr stellte sich damals in einer Zeit, in der so viele und nicht nur materielle Werte zugrunde gegangen oder beschädigt waren, vielen Menschen im Einblick auf die ruinöse Hinterlassenschaft einer falschen, hybriden Politik die persönliche Frage: Wie kann ich helfen - Ja: Wie darf ich helfen - Und man war froh, eigene Anstrengungen nach den lebensbedrohenden Gefahren des Kriegszwangs machen zu können. Auf diesem Hintergrund fand also der an die Eltern gerichtete Appell, angesichts der Notlage der Schule eine Art von "Schulgeld" nach eigener Einschätzung zu entrichten und durch weitere freiwillige Spenden den Fördererverband materiell in die Lage des Hilfeleistenden zu versetzen, Verständnis und große Bereitschaft.
Nahezu ohne Ausnahme zahlten die Eltern für ihr Kind den Mindestbeitrag von 1 DM pro Monat an die Schule, wobei das Geld anfänglich von den Klassleitern im Unterricht eingesammelt und an den Fördererverband weitergeleitet wurde, weil dem Gymnasium eine diesbezügliche Kassenführung strikt verboten war. Auch Sachspenden waren natürlich willkommen. So vermerkt der Jahresbericht 1949 unter der Rubrik "Schenkungen":
Herr Dr. Georg Schmidt, Veitlahm, stiftete für zwei Klassen Tintenfässer, Herr Dipl.Ing. Walter Schebitz, Untersteinach, eine Glühlampe, Herr Geh.Rat Dr. Fritz Hornschuch übernahm die Auslagen für die Bühnendekoration des Weihnachtskrippenspieles.
Parallel zum einsetzenden Wirtschaftswunder stiegen die freiwilligen Elternspenden kontinuierlich an; Mäzene aus allen Schichten der Bevölkerung stellten sich ein; Handel, Gewerbe, Industrie und Banken komplettierten die willkommene Spenderschar.
Es kamen Jahr um Jahr erstaunliche Summen zustande. Die Beträge gingen in die Tausende und erreichten einmal mit 20.000 DM und einmal mit 23.000 DM im Jahr ihre Höhepunkte.
Dass gerade auch der Traditionsverband der Schule, die RAV-Absolvia von 1899, die heuer auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblicken kann, in schöner Regelmäßigkeit zu den Spendern gehörte, sei hier ausdrücklich und mit großer Dankbarkeit erwähnt.
Ein großes Glück für das MGF war es, dass sich immer wieder Männer und Frauen bereit erklärten, mit großem Engagement ihre Fähigkeiten und Möglichkeiten in den Dienst des Verbandes zu stellen. Lehrer und Schüler sind ihnen in großer Dankbarkeit verbunden. Die jeweiligen Vorsitzenden mit ihren nicht hoch genug einzuschätzenden Kassenverwaltern und Schriftführern haben sich um die Schule große Verdienste erworben: Erich Rößler, Dr. Wilhelm Schalkhäuser, Otto Zeitler, Franz Cebulla, Wilhelm Brückle und Robert Straub. Die Entwicklung unseres Gymnasiums, das im Schuljahr 1978/79 mit 1186 Schülerinnen und Schülern zahlenmäßig einen einmaligen Höchststand erreichte, wäre in der erlebten Form ohne die finanzielle Unterstützung und Absicherung durch den "Gemeinnützigen Fördererverband" in seinen mannigfaltigen Aktivitäten, die in den letzten Jahrzehnten in beachtlichem Maße über den normalen Schulbetrieb hinausgingen, nicht möglich gewesen.
Dabei soll dankbar erwähnt werden, dass der Verband sich nicht nur als Finanzier der verschiedensten Projekte verstand, sondern gemeinsam mit dem Elternbeirat diese auch ideell, ja kreativ mittrug.
Ohne die großzügige Ausrüstung der Klassen mit Unterrichtsmaterial aller Art, insbesondere der Lehrer-, Schüler- und Studienbücherei, wäre die Teilnahme des Gymnasiums an den verschiedensten Schulversuchen in der Erweiterung des Unterrichtsangebots nicht in dem bekannten Maße möglich gewesen.
Ich will hier nur schlagartig erinnern an die Angliederung eines humanistischen, Zweiges, zu dessen Förderung sich am 11. Mai 1955 durch die Initiative von Dr. Ernst Lipowsky der Verein "Freunde des humanistischen Gymnasiums" gegründet hatte an die Erweiterung durch die Neusprachliche Abteilung, an die Teilnahme am Schulversuch "Offenes Gymnasium" 1976, bei dem die durch die Schüler bzw. ihre Eltern frei zu bestimmende Reihenfolge der Fremdsprachen erprobt wurde, an die vor ihrem offiziellen Beginn eingeführte Kollegstufe. Viele Schulfahrten und Exkursionen, Skilager, Wandertage und Landschulaufenthalte hätten wegen der knappen finanziellen Eigenmittel ohne die kräftige Unterstützung durch den Förderer verband nicht durchgeführt werden können. Gar zu schweigen von den großzügigen Hilfen anlässlich des 600?jährigen Jubiläum der Schule 1993, von der Anschaffung wertvoller, teurer Instrumente für das Orchester, von der alljährlichen Besuchsmöglichkeit der Musikakademie in Hammelburg.
Der Leistungsstand des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums zeigt aber auch, dass diese Investitionen in die Schülerschar reiche Früchte tragen, was immer wieder unter Beweis gestellt wird, wenn die Schule auf irgendeinem Gebiet an die Öffentlichkeit tritt.
Besonders hervorzuheben ist, dass der Verband ganz individuell auch hochbegabten Schülerinnen und Schülern finanziell unter die Arme greift, wenn sie in "Jugend forscht" Programmen arbeiten oder am Schuljahresende als Klassenbeste mit Buchpreisen ausgezeichnet werden. Unter den Spendern waren und sind auch auffällig viele ehemalige Schüler, die, in treuer Anhänglichkeit zu ihrer alten Schule es sich nicht nehmen lassen, diese nach Kräften zu unterstützen.

Nach einem Vortrag von OStD. a.D. Dr. Kneitz am 15.10.1999
überarbeitet von Wolfgang Schoberth