Wussten Sie eigentlich, dass nach urchristlichem Glauben nicht der Montag der erste Tag der Woche ist, sondern der Sonntag?

Das kommt daher, dass das Christentum aus dem Judentum herausgewachsen ist. Nach jüdischer Vorstellung ist der siebte Tag der Woche der Ruhetag, zu dem Gott die Menschen einlädt. Der Sabbat fällt damit auf unseren Samstag. Denkt man von hier weiter, dann ist der Sonntag wirklich der erste Tag der Woche. Verwirrend, nicht? Denn gefühlsmäßig sieht es für uns ganz anders aus. Für uns ist für der Sonntag der wertvolle Ruhetag und damit der siebte Tag der Woche.

Noch eine Frage: Feiern Sie eigentlich Heilig Abend?

Dann haben Sie sich mit Sicherheit auch schon Gedanken darüber gemacht, warum für uns Christen Weihnachten bereits am Vorabend des Christfestes beginnt. Das hat nicht etwa damit zu tun, dass wir es gar nicht mehr erwarten können, die Geschenke auszupacken. Auch das ist jüdisches Erbe. Der Sabbat beginnt nämlich bereits am Abend des Freitags und endet am Abend des Samstags. Macht es bei Ihnen jetzt Klick im Kopf? Im Fall von Weihnachten halten wir Christen es genauso. Wir feiern am Vorabend bereits in das Weihnachtsfest hinein.

Wie jüdischer und christlicher Glaube zusammenhängen, das möchte Frau Lea Fleischmann unseren Schülerinnen und Schülern der sechsten Jahrgangsstufe in der Woche nach den Herbstferien am Beispiel von Sabbat und Sonntag nahebringen.

Frau Fleischmann ist gebürtige Jüdin. Sie ist in Deutschland groß geworden und lebt seit 1979 in Jerusalem. Den überwiegenden Teil ihres Lebens hat sie dem Projekt "Kulturelle Begegnungen" gewidmet. Auf ihrer Homepage kann man mehr über sie erfahren: www.kulturelleBegegnungen.org. Frau Fleischmann möchte Juden und Christen zusammenbringen. Dabei leitet sie die Hoffnung, dass die Fremdheit zwischen Christen und Juden schwindet, wenn beide mehr voneinander wissen. Sie setzt mit ihren Projekten ein Zeichen des Friedens und der Toleranz zwischen den Religionen. Wie wertvoll die Arbeit von Frau Lea Fleischmann ist, wird der spüren, der mit Grauen und Scham auf den antisemitischen Anschlag in Halle blickt.

Wir Religionslehrerinnen und Religionslehrer des MGF freuen uns mit unserer Schulleitung auf den Besuch von Frau Fleischmann und sehen darin einen wichtigen Beitrag zum besseren Verständnis von Juden und Christen und ein deutliches Zeichen gegen den immer wieder aufflackernden Antisemitismus.

Christian Henning