An zwei Abenden präsentierte das Oberstufentheater (Theater und Film Kurs 2) des Markgraf-Georg-Friedrich-Gymnasiums Kulmbach eine Märchenadaption mit dem treffenden Titel „(K)ein Märchen“. Denn was wie ein klassisches Märchen beginnt – mit Erzähler, Kronleuchter, Apfel und Waldfee – führt in eine Geschichte, in der man sich plötzlich in der Gegenwart wiederfindet.

Im Mittelpunkt steht eine Prinzessin, die, obwohl sie scheinbar alles besitzt, was ein „märchenhaftes“ Leben ausmacht, zutiefst unglücklich ist. Ihre Welt, geprägt von Erwartungen und Konventionen, entspricht nicht ihren eigenen Vorstellungen, wodurch sie sich zunehmend eingeengt und bevormundet fühlt. Die Inszenierung nimmt das klassische Motiv der bösen (Schwieger-)mutter auf und entwickelt es geschickt zu einem Mutter-Tochter-Konflikt, der sich nahtlos in die heutige Zeit übertragen lässt. Doch die Prinzessin durchläuft eine Transformation und beginnt zu rebellieren: mit Netzstrümpfen, Zigaretten und laut aufgedrehter Musik von Ikkimel erfindet sie sich neu und modern.  Die  jungen Schauspielerinnen und Schauspieler verleihen den von ihnen entwickelten Charakteren, die auf Märchenvorlagen basieren, eine bemerkenswerte Klarheit, wie auch in der Darstellung der Mutter zu sehen ist, die von mysteriösen Schattenwesen umgeben ist – eine kreative und überzeugende Interpretation, die Raum für eigene Gedanken lässt.
Auch die Erwartung eines Happy Ends bleibt nicht uneingelöst, jedoch liegt dieses in der Abkehr von alten Märchenvorstellungen und in der Emanzipation der Prinzessin.
Zwei gelungene Abende, die weder die Schülerinnen und Schüler um Theaterlehrerin Ulrike Deavin-Spindler, noch die Zuschauer sicher nicht so schnell vergessen werden.