Am ersten Wandertag des Schuljahres 2018/19 machten sich die beiden Q12-Geographiekurse in Begleitung ihrer Geographielehrer Frau Beyer und Herrn Beyerlein auf den Weg in den Thüringer Wald, um Deutschlands größtes Pumpspeicherkraftwerk (PSW) zu besichtigen. Nachdem unser Bus bei kühlem aber sonnigem Wetter kurz vor 10 Uhr das Besucherinformationszentrum im Thüringer Wald erreicht hatte, wurden wir von den beiden Führern vor Ort in Empfang genommen. 

Zunächst bekamen wir einige allgemeine Informationen zu dem zum Vattenfall-Konzern gehörenden Kraftwerk. Es dient primär dem reinen Kraftwerksbetrieb und hat praktisch keine anderen Aufgaben wie z.B. Hochwasserschutz oder Gewährleistung der Schiffbarkeit von Flüssen usw. Außerdem werden von Goldisthal aus auch alle anderen PSWs von Vattenfall gesteuert. Anschließend wurde ein kurzer Film über Planung, Bau und Funktionsweise des 2003 in Betrieb gegangenen Kraftwerks gezeigt. Bereits hier wurde verdeutlicht, dass PSWs momentan die einzige Möglichkeit darstellen, Strom in größeren Mengen zu speichern. Außerdem können sie zu Spitzenlastzeiten schnell Strom zur Verfügung stellen oder Strom abnehmen und speichern, wenn zu viel Strom im Netz ist. Hierzu wird Wasser vom Unterbecken ins Oberbecken gepumpt. Durch Herablassen des Wassers können dann etwa 80% der Energie wieder zurückgewonnen werden. Das PSW Goldisthal kann dabei innerhalb von 90 Sekunden seine maximale Leistung von 1.060 MW erreichen. Diese Menge Strom würde ausreichen, um ganz Thüringen mit Strom zu versorgen. So spielen PSWs eine wichtige Rolle bei der Gewährleistung der Stabilität unserer Stromnetze bei der erfolgreichen Umsetzung der Energiewende.

Als nächstes wurden die beiden Gruppen nacheinander mit Kleinbussen durch den etwa ein Kilometer langen Zugangsstollen und über die Dammkrone der 67 Meter hohen Hauptsperre zu einem Aussichtpunkt am Unterbecken gefahren. Hier wurde der kleine Fluss Schwarza aufgestaut, um Wasser für das PSW bereitzustellen. Er gilt auch als goldreichster Fluss Deutschlands und der Name Goldisthal geht auf frühere Goldfunde und den Goldbergbau zurück. Das Unterbecken hat einen Gesamtstauraum von knapp 19 Mio. Kubikmetern und der Wasserspiegel schwankt im Kraftwerksbetrieb um bis zu 20 Meter.

Danach fuhren wir durch den Zugangsstollen wieder in den Berg, denn das eigentliche Kraftwerk liegt untertage in großen, künstlich geschaffenen Hohlräumen. Den größten Hohlraum bildet mit 137 Metern Länge, 26 Metern Breite und 49 Metern Höhe die Maschinenkaverne. Hier konnten wir uns zunächst von einem oben gelegenen Aussichtsraum einen Überblick über die Anlagen verschaffen. In der Maschinenkaverne liegen die vier Maschinensätze, die aus jeweils einer Pumpturbine und einem Motor-Generator bestehen. Neben den enormen Ausmaßen der Maschinenkaverne war vor allem die beinahe wohnliche Atmosphäre des Raumes beeindruckend. So gibt es nicht nur viel Holz an der Decke und am Boden, sondern auch riesige bunte Graffitis an den beiden Enden der Halle. Für die angenehmen Temperaturen in der Kaverne sorgt die Abwärme der Maschinen. Kurz bevor wir die Kaverne wieder verlassen mussten, konnten wir verfolgen, wie eine der Motor-Generatoren den Pumpbetrieb aufnahm, die Turbinen anliefen und einer der riesigen Kugelschieber öffnete. Außerdem bekamen wir untertage viele Informationen zur Technik der Maschinen, der Transformatoren und den Feuerschutzeinrichtungen. Abschließend wurden wir durch den Stollen wieder zurück zum Besucherinformationszentrum gebracht.

Nach einer kurzen Mittagspause fuhren wir mit unserem Bus zum Oberbecken des PSW. Nach einem etwa 20minütigem Spaziergang um den aufgeschütteten Wall erreicht man eine Aussichtsplattform und kann sich einen Überblick über das Oberbecken mit dem Einlaufbauwerk machen. Da das Oberbecken auf dem Gipfel eines Berges auf 875 Metern Höhe liegt, hat man auch einen hervorragenden Ausblick auf den Thüringer Wald und den nahegelegenen Rennsteig. Das Oberbecken fasst etwa 13,5 Mio. Kubikmeter, von denen 12 Mio. Kubikmeter für den Kraftwerksbetrieb genutzt werden können. Der Wasserspiegel kann dabei um bis zu 25 Meter schwanken.

Nachdem alle sich am Oberbecken umgesehen hatten, gingen wir wieder zurück zum Bus und traten kurz vor 14 Uhr die Rückfahrt nach Kulmbach an. Alles in allem eine sehr interessante und abwechslungsreiche Exkursion in den schönen Thüringer Wald.

H. Beyerlein